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 Narbenkind Prolog Versuch

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LouieRaaz

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BeitragThema: Narbenkind Prolog Versuch   Mi Feb 13, 2013 12:04 am

Hallo Zusammen,

zunächst möchte ich anmerken, dass dies mein erster Versuch einer größeren Geschichte ist. Es geht um ein Mädchen Namens Teja, das im Laufe der Geschichte einen massiven Wandel ihrer Person druchlebt. Es geht um Telekinese und düstere Magie, allerdings im heutigen Düsseldorf ;-) Dies ist eben nur der Prolog, um mal zu sehen, wie meine Art zu schreiben ankommt. Einige Feedbacks habe ich bereits, ich bin gespannt... Viel Spaß beim lesen...HOFFENLICH xD

Louie

Narbenkind

Prolog

>>Pflaumenkuchen<<, fluchte Teja und stemmte sich panisch aus dem Bett. >>Schon wieder verpennt, so ein Dreck<<. Sie klaubte ihre Anziehsachen vom Vortag zusammen und zog sich das meiste davon umständlich auf dem Weg ins Bad an, stetig fluchend, wobei der Versuch die Hose während des vollen Laufs anzuziehen beinahe einen Sturz nach sich gezogen hätte. Bei dem Griff nach der Zahnbürste riss sie das halbe Inventar, das sich im Spiegelschrank befand, herunter und es landete unter klirren und scheppern im Waschbecken.
Der Lärm den Sie dabei verursachte, kümmerte sie herzlich wenig. Die einzigen, die Sie unter Umständen hätte wecken können, lagen im Zimmer am anderen Ende des Flures, in einem komaähnlichen Zustand. Und für gewöhnlich brachte diese beiden, die sich ihre Eltern nannten, nur ein Umstand vor 17 Uhr aus dem Bett. Das Gras war alle. Sie selbst empfand den Krach sowieso nicht als störend, da sie seit ihrem dritten Lebensjahr an bilateraler Schwerhörigkeit litt, was sie dazu zwang, zwei Hörgerate zu tragen, die sie aber erst vor dem Verlassen der Wohnung aufsetzte.
Halbwegs wach und mit einer Laune, die jeden labileren Menschen zu einem Amoklauf verleitet hätte, lief die siebzehnjährige zur nächsten Haltestelle um die Straßenbahnlinie 706 Richtung Stadtmitte zu nehmen.
Sie hatte es nicht eilig in die Schule zukommen, da auf dem Lehrplan die ersten beiden Stunden Religionskunde standen. Verdammt nochmal, ich werde mir sicher wieder dumme Sprüche von diesem Riesenarschloch anhören müssen. Sie hasste den Lehrer für Religionskunde, seit sie damals mit ihm aneinander geraten war, als es darum ging, welcher Religion man sich zugehörig fühle.
Teja fand es witzig, Herrn Rebstock auf die Palme zu bringen, indem sie behauptete Agnostikerin zu sein. Er hatte ihr daraufhin klar machen wollen, dass es sich dabei um eine Weltanschauung handele und nicht um eine anerkannte Religion und sie solle sich doch bitte einer Religion zugehörig bekennen. Auf die Spitze getrieben hatte Teja es dann aber mit der Aussage, sie würde, wenn sie gezwungen wäre, sich zu einer Religion zu bekennen, lieber jeglicher Religion entsagen und das wäre alleine sein Verdienst. Und sie würde diese Tatsache der Schulleitung melden. Daraus hatte sich damals ein riesen Spektakel ergeben, welches disziplinarische Maßnahmen für den studierten Theologen nach sich zog.
Teja freute sich zwar, dass sie dem Wichser, der sie in die Enge hatte treiben wollen, eins ausgewischt hatte. Problematisch daran war nur, dass Rebstock bei 95% der Schüler ein äußerst beliebter Lehrer war. Zumal fühlten sich alle Moslems, Christen und der eine Jude aus dem Kurs ans Bein gepisst, das sich Teja lieber ohne die helfende Religion durchs Leben wand, als sich ihrer wahren, einzigen Kirche, Moschee oder Synagoge anzuschließen. Das alles machte ihr das Leben an auf dem Goethe Gymnasium nur schwerer, als es ohnehin schon war, als Freak mit Behinderung.
Teja kam gleichzeitig mit der Bahn an der Haltestelle an und stieg zu. Die Bahn war über alle Maßen voll und sie quetschte sich gerade noch so herein. Draußen waren es Minusgrade, die dicke Kleidung war also mehr als angebracht, doch in der Bahn wurde aus allen Rohren geheizt, was unter Kapuzenpulli, Wollarmstulpen, Afgahnenschal und dickem schwarzen Nappaledermantel zu ungewollten Schweißausbrüchen führte. Scheinbar schien es jedem hier so zu gehen, denn die Scheiben waren beschlagen und es roch in dem stickigen Wagen nach einer Mischung aus Schweiß, Rasierwasser und Erkältungsmundgeruch, des ein oder anderen Fahrgastes. Teja dachte immer noch an ihre Mitschüler und an den Vorfall. >>Idioten<<, murmelte sie gedankenversunken vor sich hin. >>Wie bitte?<<, fragte ein älterer Herr ungläubig und stierte Teja durch seine dicke Hornbrille an. Teja blickte auf und begriff, dass sie wohl zu laut gesprochen hatte. >>Ach, nichts. Sie waren nicht gemeint. <<, grummelte sie etwas verlegen.<<Das will ich auch gemeint haben.<< sagte der Alte. Sofort spürte sie Wut in sich aufsteigen. >>Ach, halt doch die Fresse Opa! Ich hab doch gesagt du bist nicht gemeint. << Köpfe drehten sich zu ihr um, böse Blicke trafen sie und ließen ihre Wut überschwappen. >>Wie bitte?<< fragte der entrüstete Rentner erneut mit großen Augen, die durch die Brille grotesk wirkten. >>Dreh dein scheiß Hörgerät lauter, wirkt bei mir auch<< ,schnauzte sie voller Zorn. >> Also hören Sie mal junges Fräulein…<< entgegnete der alte Mann aufgebracht. Aber Teja unterbrach ihn rüde << Ich habe nicht mit dir gesprochen, also quatsch mich nicht voll. Wenn du jemanden zum volllabern suchst, such woanders. Was willst du eigentlich hier in der Bahn, alter Sack? Musst du unbedingt dann mit der Bahn fahren, wenn es die meisten Berufstätigen und Schüler auch tun?<< Die Bahn hielt an einer Ampel. Gemurmel war hier und da zu hören, aber noch unternahm keiner der mitfahrenden etwas gegen sie. Sie wusste, dass es nicht mehr allzu lange dauern würde, bis der ein oder andere seine Zivilcourage entdeckte und dem armen Männlein zu Hilfe kam. Aber das interessierte sie gar nicht, sie machte weiter.>>Du hast doch Zeit ohne Ende, nimm ne Bahn später, Methusalem. Oder sind dir die Pampers ausgegangen, hä?<<
>>Also, das ist doch…<< stotterte der Alte empört, unfähig den Satz zuende zu sprechen. Teja wollte gerade weiter machen, als sich ihr die Kehle zuschnürte und sie wie von unsichtbarer Hand nach hinten gerissen wurde. Die unsichtbare Hand stellte sich als die, des Straßenbahnfahrers heraus, der an der Ampel unbemerkt aufgestanden war und Teja am Kragen gepackt hatte, um sie unwirsch mitten auf der Straße aus der Bahn zu befördern. Unter Applaus der anderen Fahrgäste wurde die Falttür geschlossen und die Bahn fuhr los. Bevor Teja recht wusste, was da gerade passiert war, war die Bahn weg. Voller Wut hob sie einen faustgroßen Stein aus dem Gleisbett auf und schleuderte ihn der davonrauschenden Bahn hinterher. Ein halbwegs guter Kugelstoßer hätte unter günstigen Bedingungen einen Treffer gelandet, aber Tejas Wurfgeschoss landete ohne größere Wirkung auf der Fahrbahn, die rechts von den Gleisen lag. Zwei Grundschüler, die auf dem Gehweg rechts von der Fahrbahn gingen, drehten sich erschrocken um, als sie den Stein an sich vorbeirollen sahen. >>Glotzt nicht so!<< schrie zu ihnen herüber. Ängstlich liefen sie los, mit ihren viel zu großen Schulranzen auf dem Rücken, an denen auch noch kleine Sportbeutel hingen. Augenblicklich tat es ihr leid. >>Ach Pflaumenkuchen, verdammt nochmal<< sagte sie zu sich selbst, halb wütend, halb traurig. Was ist bloß los mit mir, in letzter Zeit. Alles kotzt mich an, macht mich sauer oder sogar traurig. Sie hob ihren NATO Rucksack auf, den sie bei Rauswurf hatte fallen lassen und balancierte gekonnt über den Begrenzungsstein von Straße und Gleißbett. Sie würde es ohnehin nicht mehr rechtzeitig zu den „Fanatikern“ und deren „Guru“ schaffen, wie sie Herrn Rebstock und die Schüler des Religionskurses für sich nannte. Sie hatte beschlossen, sich erst mal etwas zu Essen zu kaufen. An der Grafenbergerallee gab es eine kleine Bäckerei.
jocolor
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