Schreibwerkstatt für Amateurautoren


 
StartseiteFAQSuchenAnmeldenLogin

Teilen | 
 

 Winterspaziergang

Nach unten 

Wie findet ihr diese Story?
1 Stern (Hat mir gar nicht gefallen)
0%
 0% [ 0 ]
2 Sterne (Nett, aber ohne Hand und Fuss/sagt mir nichts/ zu viele Fehler)
0%
 0% [ 0 ]
3 Sterne (Die Geschichte ist schön, auch wenn sie ausbaufähig wäre)
0%
 0% [ 0 ]
4 Sterne (Tolle Geschichte, hab nur ein paar kleine Mankos gefunden)
50%
 50% [ 2 ]
5 Sterne (Klasse Geschichte, hat sich gelohnt zu lesen)
50%
 50% [ 2 ]
6 Sterne (Einsame Spitze)
0%
 0% [ 0 ]
Stimmen insgesamt : 4
 

AutorNachricht
Sisilia
Moderator
Moderator
avatar

Weiblich
Anzahl der Beiträge : 96
Ort : Bei Stuttgart
Anmeldedatum : 18.10.08

BeitragThema: Winterspaziergang   Sa Feb 14, 2009 11:36 pm

Winterspaziergang



Es war sehr kühl geworden. Kräftige Windböen wehten durch die kahlen Äste der Bäume und über die verweisten Wiesen und Äcker. Ein Duft nach Schnee lag in der glasklaren Luft, die etwas unbeschreiblich Reines besaß.
Zwei stattliche Raben zogen ihre Kreise über einem großen Feld und ließen sich schließlich krächzend darauf nieder, um nach Würmern zu suchen, die sie durch Scharren mit ihren Krallen, den Rhythmus des Regens nachahmend, versuchten an die Oberfläche lockten.
Die Geduld der riesigen schwarzen Vögel war beachtlich. Jedes Blatt, das vom Herbstwind auf die Wiese geweht worden war, wurde von ihnen umgedreht, um darunter nach etwas Essbarem zu suchen. Mit einer Haselnuss im Schnabel flog einer der beiden dunklen Burschen hoch in die Luft, um seinen Fund aus großer Höhe auf den harten Boden stürzen zu lassen, in der Hoffnung, dass er die Schale so aufbrechen und er an den Inhalt kommen würde. Doch er hatte kein Glück und musste die Nuss erneut aufsammeln und von vorn sein Glück versuchen. Nach dem vierten Mal endlich, schlug die Frucht auf die Naht auf, zerplatzte und wurde, ehe sich ein anderer darüber hermachen konnte, von dem Raben mit einem lauten „Groar“ verspeist.
Doch nicht nur die beiden waren damit beschäftigt, sich Nahrung zu suchen. Meisen, Spatzen, Finken und Spechte, sangen, hüpften und flatterten um die Wette. Einige schienen orientierungslos von Ast zu Ast zu springen, während andere gezielt auf den Äckern landeten, um dort irgendwas von Boden aufzupicken.
Bis auf das Gezwitscher der Vögel schien die Natur vor Ehrfurcht verstummt zu sein. So, als wolle sie das, was nun folgen würde auf ihre ganz eigene Art willkommen heißen.
Lediglich in der Ferne konnte man einen kleinen Bach hören, dessen Wasser sich seinen Weg über Kieselsteine bahnte und verträumt vor sich hin plätscherte.
Mittlerweile blitzten kaum erkennbar durch die Luft schwebend und vom Wind immer wieder aufgewirbelt, zarte weiße Flocken in der Luft. Sanft glitten sie auf die Erde nieder, leuchteten einen Moment strahlend weiß, bis sie jäh vergingen, sich mit der Erde, die sie geküsst hatten, verschmolzen.
Immer mehr und mehr der weißen Gebilde, geformt durch Wind und Kälte, bahnten sich den Weg aus den Wolken hinunter auf das frostige Land. Was gerade noch trist, ja fast totenstarr da gelegen hatte, wurde nach und nach mit einem weißen Tuch bedeckt, das mit den verstreichenden Minuten immer dichter wurde, genauso wie das Schneetreiben selbst, und schließlich alles unter einer leuchtend weißen Decke begrub.
Hoch oben, zwischen Wolken, Himmel und Wind wurde in dem Moment eine kleine Schneeflocke geboren, die sich zuerst „hui“ von einer, auf die andere Seite wehen ließ.
Was war das für ein Spaß! Auf und ab ging es, mal langsam und dann wieder schnell, um schließlich sanft wie eine Feder wieder nach unten zu gleiten.
Doch sie war nicht alleine. All ihre Schwestern flogen mit ihr. Eine groß, mit wunderschönem Muster, das jede andere Flocke vor Neid erblassen ließ, dann eine Kleine, beschaulich, bescheiden, einfach nur glücklich zu existieren.
So flogen sie um die Wette, geboren aus einer Laune der Natur, umgeben von Ihresgleichen. So vielen, dass man sie nicht zählen konnte. Und alle fielen einem unbekannten Schicksal entgegen.
Immer wieder hob der kühle Wind sie an, wobei Flocken gegen Flocken stießen und sich zu einer Größeren vereinten oder aber sie knapp aneinander vorbei glitten, so, als wollten sie sich fröhlich „Hallo“ sagen und dann wieder ihren eigenen Weg suchen.
Immer tiefer glitt die kleine Flocke, bis sie unter sich schon die Wiese erblicken konnte. Eine Stelle gefiel ihr besonders gut. Zwischen einem kahlen Baum, der haufenweise kleine Äste besaß, auf dem sich schon einige ihrer Schwestern niederlassen hatten und einem kleinen Bach, der sich durch das beschauliche Tal schlängelte. Genau dort hoffte sie am Ziel ihrer aufregenden Reise anzukommen.
Aber jedes Mal, wenn sie genau darauf zusteuerte, blies der Wind sie wieder in die Höhe, ließ sie herumwirbeln, dass sie bald nicht mehr wusste, wo oben und unten war. Doch dann wurde ihr Flug mit einem Mal langsamer und der Boden kam immer näher.
Schließlich sah sie, dass viele andere Schneeflocken dort unten auf sie warteten und sie auffangen würden.
Genau in dem Moment, als sie sanft in die Arme ihrer Schwestern sank, glitten die Wolken auseinander und ließen die hellen Strahlen der Sonne hindurch.
Hei, wie es mit einem Mal zu funkeln begann. Die zarten Strahlen der Sonne wurden von den Flocken aufgefangen und wie winzige Spiegel, warfen sie das Licht zurück, das sich vielfach in ihnen brach.
Doch am aller hellsten glitzerte die kleine Schneeflocke, die mitten unter den Millionen von kleinen Schneesternchen lag, welche allesamt um die Wette schillerten.

Es war still geworden in der kleinen Talsenke. Der Schnee dämpfte alle Geräusche, nur das Singen der Vögel in der Nähe war noch deutlich zu hören. Das leise Zizibäh der Meise, das aufgeregte Tschilp Tschilp der Spatzen und das entfernte Krächzen der Raben. Sogar ein Bussard hatte seinen Unterschlupf verlassen und zog seine weiten Kreise am nun fast blauen Himmel.
Es war, als hätte sich die Welt unter einer weißen Decke schlafen gelegt, um sich auszuruhen und neue Kraft zu tanken, bis die immer kräftiger werdenden Strahlen der Sonne, sie wieder zu neuem Leben erwecken würde.

_________________
.
Liebe Grüße eure Sisilia


Mit Zauberei hat das Geschichtenschreiben eben auch zu tun
(Cornelia Funke Tintenwelt)




Noch viel mehr über mich und meine Geschichten
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen http://sisilia.forumieren.de/
Birgit Böckli
1 Sieger des 1. Schreibwettbewerbs
1 Sieger des 1. Schreibwettbewerbs


Anzahl der Beiträge : 56
Anmeldedatum : 18.10.08

BeitragThema: Re: Winterspaziergang   So Feb 15, 2009 9:54 pm

Hallo Sil,
ich tue mich ein bißchen schwer, wie ich deinen Text einordnen soll.
Wenn ich mal von dem stellenweise zu reichen Gebrauch an Adjektiven absehe, gefällt sie mir sehr gut, mutet durch die schönen stimmungsvollen Bilder beinahe lyrisch an. Allerdings hatte ich ein bißchen Probleme mit der Perspektive. Zuerst ist es eine reine Beschreibung, besonders die Raben werden detailliert geschildert, dann taucht plötzlich die personifizierte Schneeflocke auf, die mich ein bißchen drausbrachte, später wiederholt sich dieses Schema noch einmal.
Und dann, klar gibt es alle möglichen Arten von Texten, aber ehrlich gesagt, mir fehlt doch ein wenig die Handlung. Die ganze Zeit dachte ich, na schön, dann ist die Flocke eben die Leidtragende in dieser Geschichte. Das Drama des Vergehens, insbesondere, da die Sonne rauskommt, aber auch davon berichtest du nicht, es endet, wie es begonnen hat, mit einer schönen Beschreibung ohne jede Handlung.
Aber dies ist natürlich, wie immer, nur meine Sicht der Dinge. gefallen hätte es mir, als Teil einer längeren Erzählung, sehr gut, so passiert mir einfach zu wenig.
Viele Grüße Birgit
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Sisilia
Moderator
Moderator
avatar

Weiblich
Anzahl der Beiträge : 96
Ort : Bei Stuttgart
Anmeldedatum : 18.10.08

BeitragThema: Re: Winterspaziergang   Mo Feb 16, 2009 12:25 am

Es ist nur das kurz einfangen von Eindrücken eines Spaziergangs. Keine Spannungsgeladene Geschichte.
Eine ruhiger besinnlicher Spaziergang, wo man einfach ein paar Dinge beobachtet. Dinge in der Natur, die viele Menschen schon gar nicht mehr wahrnehmen, ja ich würde sagen sogar Blind dafür sind, sie zu erkennen.

Es ist eine Spielerei mit einem kurzen Moment aus der Natur.

Und ja ich liebe adjektive... für mich können es nicht genug in einer Geschichte sein!


Danke für deinen Kommentar.

LG Sil

_________________
.
Liebe Grüße eure Sisilia


Mit Zauberei hat das Geschichtenschreiben eben auch zu tun
(Cornelia Funke Tintenwelt)




Noch viel mehr über mich und meine Geschichten
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen http://sisilia.forumieren.de/
Porter

avatar

Männlich
Anzahl der Beiträge : 20
Alter : 61
Ort : z' Minga (München)
Arbeit/Hobbys : Programmierer/Foto und Videos aufnehmen und bearbeiten
Laune : Immer nur eine gute
Anmeldedatum : 28.11.08

BeitragThema: Bilder   Di Feb 17, 2009 1:53 pm

Hallo Sisilia,

auf mich machte dein Text den Eindruck, als wolltest du dem Leser einfach ein Bild beschreiben, das allerdings nicht starr an der Wand hängt, sondern sich laufend verändert und vor dem geistigen Auge entstehen und bis zum Ende bleiben soll. So deute ich deine Geschichte und deine Antwort an Birgit. Das hast du auch geschafft. Die vielen Adjektive, nun ja, mich stören sie als bekennender Wie-Wort-Fan nicht, und: sie passen auch zum Plan. Very Happy

Dass das Wortgebilde, für sich allein betrachtet, ein wenig in der Luft hängt, hat Birgit ja schon angemerkt. Genauso wie bei ihr geht meine Vorstellung dahin, dass ich es als Einleitung oder Zwischenspiel für eine größere Geschichte sehe. Als Kind las ich einmal einen Tierroman, bei dem die Stimmung auf einer Waldlichtung so ähnlich geschildert wurde, bevor ein Bär auftrat, dessen Lebensweg der Autor damit zu beschreiben begann.

Als das, was es sein soll, betrachte ich es als gelungen und einfach zum genüsslichen Seufzen und Zurücklehnen. Herzlichen Dank also für die Entspannung.

Viele Grüße
Porter
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Sisilia
Moderator
Moderator
avatar

Weiblich
Anzahl der Beiträge : 96
Ort : Bei Stuttgart
Anmeldedatum : 18.10.08

BeitragThema: Re: Winterspaziergang   So Feb 22, 2009 10:06 pm

Porter schrieb:
Hallo Sisilia,

auf mich machte dein Text den Eindruck, als wolltest du dem Leser einfach ein Bild beschreiben, das allerdings nicht starr an der Wand hängt, sondern sich laufend verändert und vor dem geistigen Auge entstehen und bis zum Ende bleiben soll. So deute ich deine Geschichte und deine Antwort an Birgit. Das hast du auch geschafft. Die vielen Adjektive, nun ja, mich stören sie als bekennender Wie-Wort-Fan nicht, und: sie passen auch zum Plan. Very Happy

Genau so sollte das sein und rüber kommen. Ich für mich liebe Adjektive und ich hab im Moment auch nicht vor sie aus meinem Schreibleben zu streichen. Jedenfalls nicht, solange mir nicht jemand beweißen kann, dass es schlecht ist, sie zu benutzen. Bis jetzt sind nur Argumente, die den Geschmack von einigen Lesern wiederspiegeln. Und da hab ich inzwischen schon solches und solches gehört. Ich selber mag die Adjektive, wie Cornelia Funke sie zb benutz. Dürrematt im übrigen auch.

Dass das Wortgebilde, für sich allein betrachtet, ein wenig in der Luft hängt, hat Birgit ja schon angemerkt. Genauso wie bei ihr geht meine Vorstellung dahin, dass ich es als Einleitung oder Zwischenspiel für eine größere Geschichte sehe. Als Kind las ich einmal einen Tierroman, bei dem die Stimmung auf einer Waldlichtung so ähnlich geschildert wurde, bevor ein Bär auftrat, dessen Lebensweg der Autor damit zu beschreiben begann.

Soll ich dir was gestehen? Genau das ist das größte Kompliment dass du mir machen kannst. Beim schreiben selber dachte ich darüber nach, dass das ein wundervolles Kinderbuch geben würde. Ein Buch wo die Geschichte der kleinen Schneeflocke erzählt wird. Und vielleicht bin ich deshalb auch irgendwie daran hängen geblieben. Und davon abgesehen, hab ich diese Geschichte beim Spazierengehen, teilweise genau so erlebt. Ok das mit der Schneeflocke ist viel Fantasie ...

Als das, was es sein soll, betrachte ich es als gelungen und einfach zum genüsslichen Seufzen und Zurücklehnen. Herzlichen Dank also für die Entspannung.

Genau das sollte es sein. Ein Ausflug in die Natur. Ich gehe jeden Tag mit meinem Hund und sehe das, erlebe das, lerne beobachte ... ich weiß aus erfahrung, dass viele Menschen das gar nicht mehr können und das finde ich schade. Ich glaube ich wollte diesen Menschen das nahebringen, was sie versäumen, wenn sie das nicht fühlen, sehen und erleben können. Insofern scheint mir gelungen zu sein, was ich tun wollte. Danke für deinen Kommentar Porter.

Viele Grüße
Porter

LG Sil

_________________
.
Liebe Grüße eure Sisilia


Mit Zauberei hat das Geschichtenschreiben eben auch zu tun
(Cornelia Funke Tintenwelt)




Noch viel mehr über mich und meine Geschichten
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen http://sisilia.forumieren.de/
Gesponserte Inhalte




BeitragThema: Re: Winterspaziergang   

Nach oben Nach unten
 
Winterspaziergang
Nach oben 
Seite 1 von 1

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Schreibwerkstatt für Amateurautoren :: Geschichten :: Wettbewerbe-
Gehe zu: