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 Zor won karzug Kinns

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Porter

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Männlich
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BeitragThema: Zor won karzug Kinns   Di Dez 02, 2008 10:08 pm

"Das Weltall, unendliche Weiten – wir schreiben das Jahr 3752. Dies sind die Abenteuer des kleinen Raumgleiters XS-Light, der mit seiner ein Mann starken Besatzung …" zum Einkaufen fliegt. Der achtjährige Toni Baretti öffnete die blauen Augen und hörte das langsamer werdende Rumpeln der Straßenbahnräder unter sich. Gerade noch war er mit Lichtgeschwindigkeit im All unterwegs gewesen, hatte riesige Sterne erreicht und wieder hinter sich gelassen. Er war aufgebrochen um neue Welten zu entdecken und neue Zivilisationen zu erforschen. Jetzt tuckerte er im Schneckentempo auf Schienen durch die Straßen.

Toni war stolz, dass er schon alleine Straßenbahn fahren durfte. Einige Fahrtests in Begleitung seiner großen Schwester waren zu deren Zufriedenheit ausgefallen. Die Eltern hatten schließlich der ersten Alleinfahrt zugestimmt. Auftragsgemäß hatte er vom Zielpunkt aus mit dem Handy zu Hause angerufen. Damit stand fest, dass er den großen Raumtransporter weiterhin das ein oder andere Mal alleine benutzen durfte.

Benommen richtete er jetzt seine einhundertfünfunddreißig Zentimeter auf seinem Sitzplatz auf, strich über seinen blonden Haarschopf und schob die heruntergerutschte Brille zurück auf seine Stupsnase. "Albrechtstraße" hörte er die Durchsage des Sprachcomputers, der mit einer freundlichen Frauenstimme sprach. 'Das hörte sich an wie auf einem Raumschiff', dachte er. Er blickte durch das große Fenster nach draußen. Die hellen Strahlen der Sonne trafen ihn mitten in seine Pupille. Alles wurde blendend weiß und er schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, baute sich vor seinem geistigen Auge eine ausgedehnte Stadt auf, ein schier unendliches Häusermeer. Er schwebte irgendwie frei hoch in der Luft und fühlte sich dennoch sicher wie in Abrahams Schoß. Er glitt auf eines der Häuser zu, genau genommen ein Turm. Je näher er kam, desto breiter wurde dieser Turm. Von einem Punkt des Gebäudes blinkte kurz ein gleißender Lichtstrahl auf und sein Körper schwebte leicht wie eine Feder genau dorthin. Der Turm kam schnell näher und er fiel in das Licht hinein. Er hatte das mit Licht durchflutete Innere des Turmes erreicht. Erstaunt stellte er fest, dass sein Körper keinen Schatten warf. Von allen Seiten strahlte das warme Licht. Als sich seine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, erkannte er einen weiß lackierten Schreibtisch am anderen Ende des Raumes. Auf dem mit weißem Leder überzogenen Stuhl hinter dem Tisch saß ein alter Mann, der einen blauen Umhang am Körper und einen ebenso gefärbten spitzen Hut auf dem Kopf trug. Ein Zauberer?
'Wo bin ich?', fragte Tonis Stimme. Halt mal! Er hatte doch gar nicht gesprochen! 'Gedankenübertragung, ganz klar!', stellte der Junge fest und versuchte es noch einmal bewusst. 'Wo bin ich?' Es gelang ihm ohne große Mühe.
Der Mann strich mit der rechten Hand seinen langen weißen Bart entlang und öffnete den Mund. "Rot-Kreuz-Platz, es besteht Anschluss zur U-Bahn!". 'Seltsam, wieso sprach der Mann mit einer weiblichen … Ups! Die Straßenbahn! Ich muss aussteigen!' Seine Augen öffneten sich und gaben den Blick in die Wirklichkeit frei. Er sprang auf und hechtete fast durch die Schwingtüren, die sich gerade wieder schließen wollten. Nun stand er auf dem Bürgersteig an der Haltestelle, er atmete heftig und sein Herz klopfte ihm bis zum Hals.

"Geht es dir gut?", hörte er hinter sich eine Stimme.
Er drehte sich um. Hinter ihm war ein alter Mann mit einem langen, weißen Bart ausgestiegen, bekleidet mit blauen Anzug und einem blauen Hut.
Der Greis lächelte ihn an und sprach weiter: "Rot-Kreuz-Platz. Du wolltest doch wissen, wo du bist, Rot-Kreuz-Platz."
Seine Stimme verhallte im Nirgendwo. Dass seine Fantasien Wirklichkeit wurden, war zu viel für Toni. Es erschreckte ihn zutiefst. Mit einem Schrei spurtete er in die entgegengesetzte Richtung davon und ließ einen völlig verdutzten Menschen zurück.

Toni hatte die Straße überquert und schaute zurück. Der alte Mann stand nach wie vor neben der Haltestelle an der Ampel und sah kopfschüttelnd zu ihm herüber. Also war er keine Erscheinung gewesen, sondern Wirklichkeit. Der Junge atmete auf. Er dachte an seine Mutter, die ihn immer wieder ermahnte, nicht mit offenen Augen zu träumen.

Erst heute morgen vor der Schule hatte sie ihn mit sorgenvollem Gesicht ermahnt, nicht immer so geistesabwesend durch die Gegend zu laufen.
"Ich will dich nicht eines Tages im Krankenhaus besuchen müssen! Sei bitte vorsichtig, mein Junge. Tust du das für deine Mami?"
"Mach ich doch immer!", war seine schnelle Antwort gewesen. Im nächsten Moment hatte er ihr einen Schmatz auf die Backe gedrückt, dann war er schon unterwegs zur Tür, um weiter fremde Galaxien zu erforschen. Seufzend sah im seine Mutter hinterher. Sein Mini-Raumgleiter stand vor der Haustür bereit. Er trat kräftig in die Pedale, um die Strahldüsen richtig anzuheizen. Anders war Lichtgeschwindigkeit nicht erreichbar.

Heute nachmittag sollte er nun in dem großen Kaufhaus am Rot-Kreuz-Platz noch sechs Bananen für seine Familie besorgen. Mit festem Schritt ging er nun über den Zebrastreifen, nachdem er sich gewissenhaft davon überzeugt hatte, dass alle Autofahrer anhielten. Auf der anderen Seite angekommen, wendete er sich leicht nach rechts. Nun lag der große Eingang des Kaufhauses direkt vor ihm. Er sah die Leute ein- und ausgehen, die auf- und zuschwenkenden Glastüren reflektierten das Licht und der Lüfter der Klimaanlage blies laut hörbar in die Schleuse zwischen der Doppelpforte. Er griff in seine rechte Hosentasche, wo er den Schlüssel fühlen konnte, der, fest verbunden mit einer Gürtelschlaufe an einem Band hing. Nur er wusste, dass es sich dabei um das neueste Modell einer geheimen Strahlenwaffe handelte. Falls er sie brauchte, war sie einsatzbereit. Der Eingang zum fremden Raumschiff war fast erreicht. Unerschrocken und sich jederzeit seines ebenso ehrenhaften wie gefährlichen Auftrags bewusst, durchquerte er die Schleuse und erreichte das Innere. Er sah die vielen ahnungslosen Leute, die über die Verkaufstische hinweg mit den als Menschen maskierten Wesen aus der anderen Welt sprachen, doch ihn konnte diese scheinbar harmlose Kulisse nicht täuschen. Die Wühltische waren in Wirklichkeit Bedienpulte für die Maschinen, die die falschen Bilder in den Köpfen der ahnungslosen Menschen erzeugten. Die Verkäufer dahinter hatten nichts anderes zu tun, als bei Störungen auf ein paar Knöpfe zu drücken, damit die Leute ihre Umgebung nicht in ihrer echten Form erkennen konnten. Er wusste von vielen Besuchen, dass unten im Keller die angebliche Lebensmittelabteilung lag. Tatsächlich befand sich dort jedoch tatsächlich die Steuerzentrale des Raumschiffs. Dorthin musste er. Dort musste er dessen wichtigstes Teil an sich bringen, den sechsstrahligen Lichtbündler. Dieser sorgte dafür, dass das riesige Raumfahrzeug der feindlichen Wesen genug Energie erhielt. Entnahm man diesen Apparat aus dem Antrieb, dann konnten die Fremden nicht mehr fliehen und eine Weltraum-Überwachungs-Einheit der Planetenpolizei konnte sie in Ruhe verhaften.

Entschlossen glitt der junge Held über die von zwei schwarzen Bändern eingefasste Lichtrutsche hinunter in den Maschinenraum. Von dort aus war es nur noch ein kleines Stück bis zur zentralen Steuereinheit. Der kleine Abenteurer wandte sich zum Eingang und betrat ungehindert den riesigen Raum. Ständig nach Deckung suchend arbeitete er sich vor. Ein Suchroboter hing unter der Decke und blickte mit seinem gläsernen Auge auf ihn herab. Schnell tauchte er darunter durch und blieb geduckt hinter einem großen Schrank stehen. Die Menschen um ihn herum bedachten ihn mit erstaunten Blicken. Sie wussten ja nicht, dass er hier einen Auftrag zu erfüllen hatte, der die ganze Menschheit retten würde. Da, endlich! Nicht weit von ihm steckte der Lichtbündler in seiner Halterung. Er blickte sich vorsichtig nach allen Seiten um. Er musste ihn an sich nehmen und dann möglichst schnell verschwinden, denn nach etwa einer Minute würden sich die ersten Anzeichen für den Energieverlust bemerkbar machen. Dann sollte er das Raumschiff möglichst schon wieder verlassen haben. Er lugte hinter dem Schrank vor und prägte sich noch einmal den Weg zu der aufwärts führenden Lichtrutsche ein. Dann drehte er sich zurück und packte entschlossen den Lichtbündler. Er verbarg ihn, so gut es ging, hinter seinem Rücken. Jetzt war keine Zeit mehr zu verlieren! Er ging schnell, vermied es jedoch zu rennen. Das würde zu viel Aufmerksamkeit erregen. Die Lichtrutsche war nur noch einige Meter entfernt. Gleich war er am Ziel. Plötzlich fiel ein großer Schatten auf ihn und eine große Hand vor seinem Gesicht zwang ihn stehenzubleiben. Eines der Wesen stand vor ihm, riesengroß und offensichtlich enorm stark.
"Zor won karzug Kinns", hörte Toni den Fremden sagen.
Er konnte damit nichts anfangen. Was nun? Dann aber er erinnerte sich auf einmal an das Papier, das ihm seine Mutter, ääh, sein Captain mitgegeben hatte. Ein Papier, das ihn angeblich auslösen konnte, wenn er in eine brenzlige Situation geriet. Er konnte nur hoffen, das das tatsächlich so funktionierte. Er kramte es aus der linken Tasche seines Raumanzugs und reichte es dem Fremden. Hoffentlich kam dieser nicht auf die Idee, zu sehen, was er hinter dem Rücken verborgen hielt. Kaum war dieser Gedanke gedacht, da beugte sich die Kreatur über seinen Kopf hinweg. Jetzt war es vorbei! Der Plan war gescheitert! Wie Zangen griffen die Hände des Wesens nach dem Lichtbündler und zogen es unwiderstehlich aus seinen Fingern. Es beäugte das Gerät von allen Seiten und legte es schließlich auf eine Maschine, aus der anschließend ein schriller Piepston kam.
"Koruf dark", sagte der Fremde und reichte ihm sowohl den Bündler als auch einige Metallstücke, die er verwundert einsteckte.
Der Wächter ließ ihn tatsächlich laufen! Er fragte jedoch nicht lange nach dem Grund und hastete mit schnellen Schritten zur Lichtrutsche. Jetzt konnte ihn niemand mehr aufhalten. Er glitt nach oben und befand sich jetzt nur noch ein paar Schritte vom Ausgang entfernt.
Oh je! Die Fremden machten eine Durchsage über die Lautsprecher des Raumschiffs. Das konnte nur ihm und dem gestohlenen Lichtbündler gelten. Er packte den sein Diebesgut fester und rannte los, sah nicht nach links und nicht nach rechts, hatte nur sein Ziel vor Augen. So musste ein Agent der Raumflotte handeln, um seinen Feinden zu entkommen, schnell und unkompliziert. Er spürte eine Berührung am Rücken und erhöhte das Tempo seiner Schritte bis zum Äußersten.

Dann war er durch den Eingang wieder im Freien. Ein Blick zurück überzeugte ihn, dass es die Fremden aufgegeben hatten, ihn zu verfolgen. Er lenkte seine Schritte zum Raumbahnhof, wo sein Transporter schon auf ihn wartete. Er wusste, wenn er das nächste Mal hierher kam, gab es kein Raumschiff mehr. Es war dann nicht mehr als ein Haus, ein Kaufhaus, wo es nur Menschen gab. Die "Eiliäns", wie seine Schwester sie nannte, würden dann weit weg sein, zurück auf ihrem Planeten, irgendwo in den unendlichen Weiten des Weltalls.
Ganz anders als seine Mutter, die ihm, angesichts der zerdrückten Bananen, eine Woche Hausarrest verordnete. Nun ja, so schlimm war das nicht. Er konnte auch in seinem Zimmer Spaß haben. Der Weltraum ist überall ...
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Birgit Böckli
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BeitragThema: Re: Zor won karzug Kinns   Do Jan 29, 2009 8:21 pm

Hallo Porter,
ich konnte mich schön in den Kleinen hineinversetzen, da ich selbst ein Kind der Starwars-Generation bin. Deine Geschichte liest sich stilistisch sehr gut, gerade solche liebevollen Details wie der Schlüssel, der an der Hose festgemacht ist, hauchen ihr Leben ein. Allerdings hatte ich mit der Aussage ein bißchen Probleme. Da schon recht früh klar wird, daß es um die Phantasien eines Kindes geht, hat mir ein bißchen sowas wie eine Pointe gefehlt. Trotzdem, absolut lesenswert, und der Schluß ist klasse.
Viele Grüße Birgit
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BeitragThema: Koruf dark (In eiliän: Vielen Dank)   Mi März 04, 2009 12:54 pm

Hallo Birgit,

zunächst einmal freut es mich, dass du die Geschichte gelesen und grundsätzlich Gefallen daran gefunden hast bom

Nun, Aussage hat die Geschichte schon (Kinder leben oft in einer Fantasiewelt. Lasst sie da, es ist nicht wirklich gefährlich), sie hat keinen spürbaren Plotpoint, nur einen ganz sanften. Der Moment, als er die Bananen (den Lichtbündler) an sich nimmt und sich auf die Flucht machen will, bildet so eine Art Wende- bzw. Mittelpunkt in der Geschichte.

Einigen, denen ich vor dir diese Story präsentiert habe, waren die Fantasien zu viel, sie hielten Toni für krank im Kopf, weil er so gar nicht mehr in die Wirklichkeit zurückkehrt geek . Du scheinst das hingegen gut zu verkraften Very Happy was mich sehr freut. Schließlich erinnert er sich ja wenigstens an die Warnung seiner Mutter in Sachen Straßenverkehr und geht mit relativ wachem Verstand über einen Zebrastreifen.

Schön, dass du da warst lol!

Grüße
Porter
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