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 Gedichte von Birgit Böckli

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Birgit Böckli
1 Sieger des 1. Schreibwettbewerbs
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BeitragThema: Gedichte von Birgit Böckli   Do Nov 13, 2008 10:26 pm

Herbst
Dicke schwere Regentropfen
Klopfen an die Fensterscheibe,
dunkelgraue Wolkenleiber
leugnen jeden Sonnenstrahl.

Und ich seh durch Schmutzesschlieren,
die der Regen erst geschaffen,
feucht und frech hereinzugaffen
in den warmen, hellen Saal.

Hilflos recken tote Bäume
ihre dürren Klauenhände
gegen dichte Wolkenwände
Und ein Himmel wie aus Stahl.

Und ein Sturm peitscht bunte Blätter
Über regennasse Straßen.
Wo am Wegrand Blumen saßen,
welkes Gras in stiller Qual.

Herbst, wie haß ich deine Spuren,
Bastard unsrer Jahreszeiten,
einzig Winters Wegbereiter,
wandelst du das Land so kahl.

Nicht des Sommers helles Lachen
trägst du, nicht des Winters Farben.
Dein Gesicht ist voller Narben,
trostlos schmeckt dein Hauch und schal.

Schon verfärbt sich weiß der Regen,
alle Trübsal scheint verflogen.
Schwebend auf des Windes Wogen
Dreh’n sich Flocken tausendmal.

Und sie tanzen ihren Reigen.
Meine Augen seh’n verschwommen
Mehr und mehr im Fluge kommen.
Überziehen Berg und Tal.

Dämmerlicht umhüllt mich schmeichelnd,
und mein Blick wird wieder klarer.
Fort, die strahlend weißen Scharen.
Gaslaternen leuchten fahl.

Dennoch will ich dankbar werden,
will dem Herbst ein Plätzchen räumen.
Sehnsucht schafft die schönsten Träume.
Sei dem Winter zum Gemahl.


Lebenslobelied

Hörst du der Glocke monotone Klage?
Das Abendrot hüllt uns in Purpur ein.
Doch was, mein Freund, was bleibt von diesem Tage?
Er schleicht sich fort, bald wird es dunkel sein.

Welche Erkenntnis, sag mir, welche Lehren
Kannst du aus den vergangnen Tagen ziehn?
Was mußtest du erfahren, was entbehren,
worüber noch des nächsten Tages Sonne schien?

Und bin ich frei geboren, frei zu leben,
entronnen aus den Ketten tiefster Not.
Wozu sollte der Mensch nach Gutem streben?
Am Ende warten Tränen nur und Tod.

Denn trügerisch wie grünes Sommerlaub
Ist unser jugendfrohes, stetes Werben.
Nur Schein der Blüten Pracht und Himmels Blau.
Der Winter naht, und alles springt in Scherben.

Die Jahre ziehn ins Land, wir werden Greise,
der Totenvogel singt sein Klagelied.
Und in Erwartung unsrer letzten großen Reise,
da übersehn wir, was um uns geschieht.

Das Alter raubt die Haare und die Zähne,
und manchem hin und wieder den Verstand.
Doch wer sich nun gebeugt und unnütz wähne,
der hat den Sinn dahinter nicht erkannt.

Der Jugend sollten wir zum Vorbild leben,
für sie bewahren unser Wissen, unser Können.
Gerade alte Menschen haben viel zu geben.
Sollte man das nicht eine Gnade nennen?

Drum frage nach dem Sinn und Zweck nicht viel,
und laß uns heiter durch die Tage wandern.
Die Aussaat deiner Freude sei das Ziel.
Die Ernte überlasse einem andern.


Staunen

Wie ein tief verschneiter Gipfel
Ragt sein Schädel zu mir auf,
und wie stillgelegte Flüsse
nehmen Falten ihren Lauf.
Ausgedorrten Erdenschollen
Gleicht die Haut in dem Gesicht,
das zu mir ganz ohne Worte
von den vielen Jahren spricht.

Jahre, die ich nicht gesehen,
Jahre, die nicht meine sind.
Trüb und glanzlos seine Augen,
Augen, die vom Alter blind.

Hilflos suche ich den Funken,
der in jedem Menschen glüht.
Doch sein Blick sinkt scheu zu Boden,
seine Zeit ist längst verblüht.

Wie eine verdorrte Rose,
farblos, welk und unscheinbar,
sitzt er vor mir, kaum zu glauben,
daß er einmal jünger war.
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Wüstenlilie

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BeitragThema: Re: Gedichte von Birgit Böckli   Di Nov 18, 2008 11:27 pm

Hallo Birgit,

Ich habe gestern deine Gedichte gelesen. Sie haben mich sehr berührt und zum Nachdenken angeregt, besonders "Staunen" Sie sind sehr schön geschrieben.

Eine Frage, bei "Staunen" geht es um das Alt werden, habe ich das richtig interpretiert? Dieses Gedicht hat mich sogar ein bissel traurig gemacht.

Alles in allem sehr schöne Gedichte und ich hoffe wir dürfen noch weitere von dir lesen.

LG Wüstenlilie
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BeitragThema: Re: Gedichte von Birgit Böckli   Mi Nov 19, 2008 12:53 am

Das gibt es nicht, die Frau kann auch noch dichten und wie ... ich bin hin und weg...

Ich bin sehr eigen, was Gedichte angeht, das ist etwas was ich wohl nicht wirklich gut kann.

Dein Lebensloblied hat mir sehr gut gefallen, es ist alles so stimmig. Sehr schön.

Mein Onkel ist ein begnadeter Gedichte schreiber, er dichtet auch Liedtexte um für Familienfeiern und so, der hat mir ein paar Tricks verraten, doch ich hab mich noch nicht ran getraut, das zu versuchen.

Sehr schön .. mehr kann ich im Moment einfach nicht sagen.

LG Sil

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Birgit Böckli
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BeitragThema: Re: Gedichte von Birgit Böckli   Mi Nov 19, 2008 7:58 pm

Hallo Wüstenlilie,
schön, wenn sie dir gefallen. Ja, du hast recht, in "Staunen" hab ich einen alten Mann beschrieben. Leider gibt es nicht viel mehr von mir, die was taugen, weil ich mich sehr schwer mit Gedichten tue, die müssen mich tatsächlich anspringen, sonst kommt nur Kitsch bei raus.
Liebe Sil,
freut mich sehr, daß die Gedichte auch dir gefallen, ich dachte schon, in die Rubrik guckt kein Mensch rein, weil kaum jemand Gedichte liest. Veröffentlichen wollte sie auch keiner, weil nicht modern genug. Die Leute wollen diese ganz kurzen Wortgebilde, die sich auf keinen Fall reimen und wo man zum Schluß leichten herzens sagen kann: ich hab zwar kein Wort verstanden, aber war sehr schön!
Das "Lebenslobelied" war wenigstens mal in unserer Tageszeitung abgedruckt.
Viele Grüße an euch alle, ich meld mich bestimmt auch bald wieder zu euren Texten, war im Moment durch TKs Schreibwerkstatt sehr ausgelastet.
Tschüß Birgit
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Sisilia
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BeitragThema: Re: Gedichte von Birgit Böckli   Mi Nov 19, 2008 10:46 pm

Ich hänge grad mit dem Text fürs Kinkelform, was aber auch meiner Familären Situation hängt. Ich hab zwei Kinder, Teenager die gerade beide die 10 Klasse machen und ihre Prüfungen vor sich haben. Da muss Mutti halt immer parad stehen und helfen. Sei es beim Wörter lernen, beim Texte durchsehen und abfragen. Jedenfalls hab ich nicht mal richtig Zeit zum Nachdenken für eine Geschichte gehabt. *seufz*

Was Gedichte angeht ...

Also das Moderne Zeug, wo sich nichts reimt, wo man einfach ein paar Zeilen hinklatscht, die sich vielleicht (aber selten) nett anhören und kaum einen Sinn haben, das ist für mich keine Kunst, das ist wie bei der modernen Kunst, wo ein gelber Klecks auf blauen Grund ein teures Gemälde sein soll ... würg.

Nein, das ist für mich nicht Kunst. Die Art wie du Gedichte schreibst, das ist für mich Kunst.

Ich bin h alt sehr eigen. Auch bei mir selber. Ich hab nur ein Gedicht auf meiner Seite, das aber nicht der Bringer ist. Ich wurde eher genötigt es online zu stellen.

Na ja, schreib schön weiter, und dafür, dass das eine Gedicht schon in einer Zeitung stand: Glückwunsch, das hat es auch verdient.

LG Sil

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