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 Die einen haben ein Überlebenscamp

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Mahony



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BeitragThema: Die einen haben ein Überlebenscamp   Do Nov 13, 2008 4:59 pm

Die einen haben ein Überlebenscamp, die anderen Hartz IV
(Ein Komödiendrama in mehreren Akten)


Prolog
(oder wer ist eigentlich Herr Hartz)

Die Menschen sind erfinderisch. Manche erfinden das Rad. Andere erfinden es wieder neu und manchmal erfinden Menschen Gesetze. Nichts gegen Gesetze. Wo wären wir ohne die Vorfahrtsregelung im Straßenverkehr? An jeder Ecke nur Blechschäden. Wer will das schon? Andere Gesetze richten mehr Schaden an. Das vom Peter Hartz zum Beispiel. Kein Aas kannte den. Na gut, vielleicht ein paar Bordellbesitzer und ein paar Leute von der Volkswagen- AG. Dann wurde er beauftragt, ein Gesetz zu erfinden Seit dem kennt ihn jeder. Auch das Landgericht Braunschweig kennt ihn nun. Es hat ihn bestraft. Ist er nun ein vorbestrafter Gesetzgeber oder ein gesetzbrechender Gesetzverbrecher? Aber ich glaube, er schämt sich nicht.
Was das IV hinter seinem Namen heißen soll, weiß ich nicht. Vielleicht ist er Peter IV., oder er hat das früh um 4 geschrieben oder er hatte 4,0 auf dem Kessel.
Dank seiner kenne ich aber nun die ARGE. Nichts gegen die ARGE, sitzen auch bloß Menschen drin rum. Solche wie Du und Ich, nur mit dem Unterschied, dass sie mir sagen, was ich darf und was nicht. Da bin ich aber sehr froh, dass es sie gibt. Wer würde mir das sonst sagen? Zum Beispiel, was ich monatlich brauche für Essen und Kleidung. Als ich noch arbeiten ging, habe ich das immer selbst festgelegt. Das war falsch, das sehe ich nun ein. Ich habe ständig zuviel verbraucht. Nun liege ich dem Steuerzahler auf der Tasche. Das tut mir leid, wirklich.

1.Akt
(oder: warum ich zu einem Vorstellungsgespräch zu spät kam)


Ich will wieder arbeiten. Also schreibe ich Bewerbungen. Jeden Tag 8 Stunden, sagt meine Arbeitsvermittlerin, soll ich Bewerbungen schreiben. Wieso sie Arbeitsvermittlerin heißt, weiß ich allerdings nicht. Arbeit hat sie ja keine für mich, aber gute Ratschläge. Und sie droht mir auch immer, dass sie mein Geld streichen kann, wenn ich mich nicht genug bewerbe.
Ich schäme mich. Ich hab das nicht geschafft. Ich hab nur 325 Bewerbungen geschrieben bis jetzt in 3 Jahren. Bei manchen Firmen habe ich mich schon zweimal beworben. Dafür schäme ich mich auch. Ich habe einfach, wenn ich keine neuen Firmen mehr gefunden habe, wieder von vorne angefangen. Manchmal hat so ein potentieller Arbeitgeber auch zurück geantwortet. Es täte ihm leid und so. Das hat der ARGE eine Menge Geld gekostet und dem potentiellen Arbeitgeber auch. Und damit auch dem Steuerzahler. Das tut mir leid.
Einmal hatte ich großes Glück. Ein potentieller Arbeitgeber rief mich an, morgens so um 11. Ob ich nicht kommen könnte zum Vorstellungsgespräch. Ja klar. Okay, sagte er, dann erwarte er mich um 14 Uhr. Da hatte ich aber nun ein gewaltiges Problem, aber das habe ich ihm selbstverständlich nicht gesagt. Ich hatte nämlich dummerweise von den 13,88 Euro Fahrtkosten schon 12 Euro ausgegeben, für Fahrten zur ARGE, um Anträge abzugeben. (4 Mal hin- und zurück je 3 Euro). Der 1,88 Euro reichte nicht, um genug Benzin zu kaufen. Also borgte ich mir das Fahrrad vom Nachbarn und machte mich auf den Weg. 100 km radelte ich wie eine Besessene. Über die Autobahn wäre es kürzer gewesen, aber da durfte ich ja mit meinem geborgten Rad nicht fahren. Als ich ankam, schloss der Pförtner bereits das Tor der Firma wieder auf, es war 6 Uhr morgens. Leider hatte ich meinen Termin verpasst. Meine Arbeitsvermittlerin hat gemeckert. Sie wollte mich auch bestrafen. Ich habe ihr gesagt, dass ich das nächste Mal schlauer bin. Da fahre ich gleich mit der Bewerbung los und warte dann am Tor, bis mich vielleicht einer ruft oder mir sagt, dass es ihm leid tut und so. Aber wenigstens bin ich dann nicht wieder zu spät gekommen.

2.Akt
(oder: der Zaun meines Nachbarn und 2 Mitropa- Aschenbecher)

Letztens musste ich zum Augenarzt. Ich sei blind, behauptete mein Nachbar, als ich zum 3. Mal beim Einparken gegen seinen Zaun gerast bin. Natürlich bin ich nicht blind, aber ich gebe zu, dass ich seinen Zaun nicht gesehen habe, auch nicht, als ich davor stand. Es tat mir auch sehr leid.
Der Augenarzt meinte, ich bräuchte eine Brille, so ca. Stärke 6 auf beiden Augen. Und wie ich ihn überhaupt gefunden hätte, hat er auch noch gefragt. Also bin ich mit dem Rezept zum Optiker gegangen. Der wollte 200 Euro von mir, dabei war das Gestell nicht mal modisch. Ich sagte ihm, da müsse ich erst die ARGE fragen. Das tat ich dann. Nach 4 Wochen und 3 weiteren eingefahrenen Zaunsfeldern des Nachbarn erhielt ich Bescheid. Die ARGE kann das nicht bezahlen und warum ich keine Rücklagen gebildet habe aus meinem Geld? Ich war erschrocken, was hatte ich denn jetzt wieder falsch gemacht? Ich habe auch gleich nachgesehen im Regelsatz, da stand nichts von Rücklagen. Aber die ARGE hat das als Widerspruchsgrund nicht anerkannt. Das mit dem Zaun des Nachbarn auch nicht, da sollte ich mich an meine private Haftpflicht wenden. Das war 5 Monate später, der Nachbar hatte mittlerweile seinen Zaun ganz eingebüßt und eine Hecke angepflanzt. Ich musste schnell etwas unternehmen, ich wollte nicht auch noch Schuld am Tod einer unschuldigen Hecke sein. Da fiel mir ein, dass ich damals, als ich noch jung war und nicht so klug wie heute, einmal in einem MITROPA- Restaurant Aschenbecher geklaut hatte. Ich fand sie sogar noch, sie lagen im Keller. Ich weiß nicht, welche Stärke sie hatten, aber wenn ich sie 10 cm von den Augen weg hielt, konnte ich nun die Hecke des Nachbarn schon sehen, wenn ich in die Straße einbog. Ich ging damit zum Optiker und fragte ihn, ob er mir dafür nicht ein Gestell machen könnte. Er schaute mich sehr merkwürdig an und meinte dann, dass das die Kasse nicht bezahlen würde, weil es eine Sonderanfertigung wäre. Kostenpunkt: 239 Euro. Ich hab mir dann für 3,95 doppelseitiges Klebeband auf dem Baumarkt gekauft. Das hat den Vorteil, dass das Gewicht der Aschenbecher die Gesichtshaut um die Augen herum strafft. Weiter unten allerdings nicht. Aber da guckt eh keiner hin. Die meisten gucken gleich wieder weg, wenn sie mich gesehen haben. Ich weiß, dass sie hinter meinem Rücken komische Zeichen machen.

3.Akt
(oder: Wie ich mein Mittagessen versteigerte und eine Brieftaube ihr Leben verlor)

Anfang dieses Jahres musste ich zu einer Therapie, nein, nicht wegen Alkohol, ich schwöre es. Obwohl ich schon überlegt hatte, dass es bei den steigenden Lebensmittelpreisen wahrscheinlich billiger wäre, sich jeden Tag eine Flasche Fusel zu kaufen. Wenn man die getrunken hat, merkt man den Hunger nicht mehr und kann auch gut schlafen.
Nein, es war kein Entzug. Aber nach 3 Jahren Arbeitslosigkeit und einigen familiären Tragödien hatte ich einen Ratsch weg. Mein Arzt meinte, es wäre besser, ich würde mal in eine *Anstalt* gehen. Die kriegen mich schon wieder hin. Haben sie auch.
Das habe ich der ARGE mitgeteilt. 2 Tage später hatte ich einen Brief. Da stand drin, dass ich nun nicht mehr bedürftig sei wegen Lebensmittel und so, weil ich im Krankenhaus verpflegt werde und sie streichen mir 120,75 Euro deswegen. Damit ich die nicht aus Versehen verfresse und später nicht zurückzahlen kann. Klingt logisch. Ich habe nachgerechnet und festgestellt, dass ich gar keine 120,75 Euro zur Verfügung habe für Verpflegung, sondern nur 90. Augenscheinlich stimmt irgendwas bei der Berechnung des Regelsatzes nicht. Oder ich kann nicht rechnen. Ich habe dann meine Versicherungen angerufen und gefragt, ob sie mir 30,75 Euro erlassen könnten. Wollten sie nicht. Auch nicht der Mensch von der Gasanstalt und dem Stromwerk. Keiner wollte.
Also habe ich im Krankenhaus jeden Tag mein Mittagessen versteigert. Leider lag der erzielte Preis weit unter dem tatsächlichen Wert des Essens. Aber ich habe es fast geschafft. Die restlichen 3,84, die ich nicht zusammen bekommen habe, habe ich mir von meinem Nachbarn geborgt. Auch eine seiner Brieftauben, weil ich kein Geld hatte zum telefonieren und auch keins, um meine Wäsche im Krankenhaus zu waschen. Nun ist mein Nachbar sauer auf mich. Die Taube hat leider das Wäschepaket nicht verkraftet. Das tut mir leid, echt.
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BeitragThema: Re: Die einen haben ein Überlebenscamp   Do Nov 13, 2008 4:59 pm

4. Akt
(oder: wie ich eine Ente an die Leine nehmen musste)



Bald ist Weihnachten. Ich habe keine Lichterketten und keinen Schwippbogen angemacht, damit ich Stromkosten spare. Ich kann mir auch keinen Weihnachtsbaum kaufen. Der kostet 40 Euro und damit fast die Hälfte meines Verpflegungsgeldes. Ich kann ihn danach leider auch nicht essen, was die Kosten drastisch senken würde. Also habe ich nachgefragt, ob ich Weihnachtsgeld bekommen könnte. Nein, sagte die ARGE, ich muss mit dem auskommen, was ich habe. Und ich könnte doch zur *Tafel* gehen. Leider hatte ich das Fahrgeld schon wieder ausgegeben für Anträge und die Benzinkosten sind noch immer zu hoch. Und dann, was ist, wenn mich dort jemand erkennt? Die sagen dann vielleicht: Jaja, in der Schule war sie eine Streberin und jetzt muss sie betteln gehen. Das wäre mir peinlich.
Also habe ich meinen Vermieter gefragt, ob er mir die Miete erlassen würde für den Monat Dezember, weil doch Weihnachten sei. Und weil er in die Kirche geht, dachte ich, ich könnte ihn mit dem Wort Nächstenliebe locken. Er sah mich nur böse an und meinte, wenn er bei der Wohlfahrt wäre, wüsste er es. Das tat mir leid, dass er nicht weiß, bei welchem Verein er ist.
Ich bin dann ins Nachbardorf gefahren und habe bei einem Bauern eine Ente aus dem Stall *gelockt*. Ich schäme mich dafür, aber er hat genug und ich hoffe, sie sind nicht abgezählt. Vor Weihnachten schlachtet er sie und verkauft sie, auf Vorbestellung. Leider passt die Ente nicht in mein kleines Kühlfach. Ich hätte sie vorher vermessen sollen. Also konnte ich sie noch nicht schlachten, damit sie nicht verdirbt. Nun hockt sie in meinem Bad und ich habe sie am Handtuchhalter angebunden, damit sie nicht wegläuft. Vom Nachbarn habe ich mir Taubenfutter *besorgt*. Vogel ist schließlich Vogel. Der Nachbar weiß davon nichts.
Aber er freut sich schon auf den ersten Weihnachtsfeiertag. Ich hab ihn eingeladen zum Versöhnungsessen. Vielleicht kann er mir dann Schwarzpulver beschaffen. Unkrautex und die Hülsen von 5 ausgedienten Luftpumpen hab ich schon. Das gibt ein schönes Silvesterfeuerwerk. Für die Papierschlagen, das Konfetti und die albernen Silvesterhüte habe ich mir schon Infomaterial aus der ARGE besorgt, das kann ich dann lochen, schneiden und falten.

5. Akt
(oder: was andere über mich denken und warum mein Nachbar wieder böse auf mich ist)

Die Menschen, die Arbeit haben, reden manchmal mit mir. Oder sie schreiben über solche wie mich in der Zeitung. Dass ich faul bin und alkoholabhängig. Manche sagen auch, in China oder Afrika würde es mir noch schlechter gehen. Ich schwöre , dass ich noch niemals früh um 8 vor LIDL gestanden und mit einer Flasche Bier oder Korn die Weltlage diskutiert habe, auch nicht vorn anderen Märkten und auch nicht über andere Themen. Meine Leberwerte sind auch in Ordnung. Ich bin nur ein bisschen zu kurz geraten für meine Breite. Ich soll mehr Obst und Gemüse essen , sagt mein Arzt und mir Walking – Stöcke kaufen und laufen gehen. Das wäre auch gut für meinen Blutdruck. Leider reicht mein Geld immer nur für Instant- Nudeln und so was.
Ich bin auch nicht faul. Ich putze 3 Mal am Tag meine Wohnung, natürlich ohne Wasser und auch Staubsauger, nur mit Staubtuch und Besen und so. Wegen der Betriebskosten. Ich verbrauche zuviel sagt die ARGE und ich soll sparen. Ich habe der ARGE geschrieben, dass ich nicht mehr verbraucht habe, sondern alles teurer geworden ist. Sie haben zurückgeantwortet, dass ich deshalb ja im Zuge der Rentenanpassung mehr Geld bekomme und ich soll die 2 Euro vernünftig einsetzen.
Dann habe ich nach einem Ein- Euro- Job gefragt. Der Bürgermeister sagte, sie hätten schon einen und ein zweiter sei für die Gemeinde zu teuer und ein Handwerksmeister in unserem Ort hat mich angebrüllt, dass er wegen solcher wie mir keine Aufträge mehr hat und noch Pleite geht. Das tut mir leid.
Dann habe ich einer alten Dame angeboten, ihr die Kohlen aus dem Keller zu holen, aber sie sagt, sie hat keine Kohlen und einkaufen geht ihr Enkel für sie. Mein Nachbar hat auch gemeint, er bräuchte niemandem zu Holzhacken. Um ihm das zu beweisen, habe ich seine 5 Tannen gefällt und sie fein säuberlich gehackt und hinter dem Haus aufgestapelt. Seit dem ist er wieder sauer auf mich. Das tut mir noch mehr leid, eigentlich ist er nett. Nur eben so leicht eingeschnappt manchmal.
Weil mich keiner haben wollte, habe ich auf den Flughafen in Leipzig angerufen und wollte einen Flug nach China buchen oder wenigstens Afrika. Aber sie haben mir gesagt, dass ich für 13,88 Euro kein Ticket bekäme, nicht einmal im Frachtraum oder auf der Tragfläche und verscheißern könnten sie sich selber. Das wusste ich nicht, echt.

6. Akt
(oder: was hat Hexenverbrennung mit der Pille zu tun)


Ich habe auch schon gehört, dass solche wie ich keine Kinder bekommen sollten. In meinem Alter würde ich auch keins mehr haben wollen. Das habe ich denen bei der ARGE auch gesagt und sie gefragt, ob ich nicht das Geld für die Pille erstattet bekommen könnte. Die haben wie immer *NEIN* gesagt und ich würde ja 13,17 Euro für Gesundheitspflege ausgeben können, ich solle mir das eben besser einteilen. Außerdem sei in meinem Alter eine Abtreibung kostenlos. Fand ich fair. Muss ich mir nicht Zyankali beschaffen oder so. Das soll auch sehr gefährlich sein. Früher hatten sie ja auch andere Mittel gegen ungewollte Schwangerschaften, also ganz früher, so im Mittelalter. Da gab es Kräuterfrauen und Frauen, die man heute als Hebammen bezeichnet. Aber die wurden dann irgendwann als Hexen verbrannt. Leider konnten die Wenigsten Lesen und Schreiben. Nun sind die Rezepte verloren gegangen. Sonst hätte ich das vielleicht nachmachen können, kann doch nicht so schwer gewesen sein. Dann könnte ich verhüten und müsste nicht abtreiben. Ich habe in der Apotheke nachgefragt, ob sie nicht so *gewisse Mittelchen* hätten. Die Dame hat den Wachschutz rufen lassen.
Weil ich ein Kind nicht ernähren kann und auch keine Abtreibung will, habe ich meinen Nachbarn gefragt, ob er vielleicht, also nur für den Fall, dass mir ein Malheur passiert, das Kind aufnehmen würde. Er hat mir einen Vogel gezeigt und gemeint, das Adoptionsrecht in Deutschland sei kompliziert und er sei schließlich nicht *Madonna*. Das wusste ich schon, dass er nicht Madonna ist, er kann nicht singen. Und dann hat er mich weiter böse angeguckt und gefragt, wie ich auf diese Idee käme, ich wäre schließlich nicht verheiratet. Wo da ein Kind herkommen sollte. Ich hab ihm ein altes Exemplar von *Mann und Frau intim* gegeben und ihm geraten, da nachzulesen.
Und dann hat er noch gesagt, ich solle mir mal ein Beispiel an bestimmten Frauen im Mittelalter nehmen (er liest gerade eine Menge Bücher über die Zeit), die hätten unter ganz anderen Bedingungen überleben müssen. Ich hätte schließlich ein Dach über dem Kopf und einen warmen *a…* und was ich denn noch wöllte.
Ich wollte ihn nicht noch mehr verärgern, deshalb habe ich besser nichts geantwortet. Ich werde mal beim Bauern fragen, ob er nicht irgendwo noch eine alte Schafsblase hat, irgendwo hab ich gelesen, so etwas kann man als Kondom benutzen. Das sage ich dem Nachbarn aber nicht. Ich finde ihn auch nicht mehr nett. Tut mir leid.


Epilog
(oder: was ich an Frau Merkel schreiben würde)



Ich habe überlegt, einen Brief an Frau Merkel zu schreiben. Das ist die Frau, die jetzt bei uns alles besser machen will. Bestimmt weiß sie gar nicht so genau, was im Land passiert und weil es ihr gut geht, denkt sie, den anderen geht es auch gut. Sie trifft sich ja auch nur mit feinen Leuten. Und dann essen sie im *Kempinski* und so. Die Kosten dafür werden ihr bestimmt auch nicht von ihrem Gehalt abgezogen. Nur den Schneider sollte sie wechseln, der taugt nix. Und der Friseur auch.
Also, ich würde ihr schreiben, dass solche Leute wie ich, die dem Steuerzahler viel Geld kosten, wo der doch schon so viele andere unsinnige Dinge bezahlen muss, dass solche Leute einfach nicht mehr gesellschaftsfähig sind. Ich würde sie bitten, die alten Lager wieder aufzuschließen, bestimmt hat noch jemand die Schlüssel irgendwo. Und dann würden wir alle, also alle, die so sind wie ich, wir würden da hin gehen und dann alle zusammen wohnen und so. Das würde die Kosten enorm senken, weil ja keiner mehr eine einzelne Wohnung braucht und das Essen gäbe es auch für alle zusammen. Dann könnte auch keiner mehr sein Verpflegungsgeld für eine Autoversicherung missbrauchen oder den Kauf der Pille oder so. Und arbeiten könnten wir da auch, zum Beispiel in der Lagerverwaltung oder im Steinbruch, na ja, es könnte auch was anderes sein. Aber es würde nicht einmal einen Euro Stundenlohn kosten. Und dann würden wir auch die freie Wirtschaft nicht mehr behindern oder anderen die Arbeitsplätze wegnehmen müssen, weil ja nicht genug Arbeit für alle da ist.
Und dann hätten wir Frieden im Land und Ruhe und genug Arbeit und der Steuerzahler würde
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Birgit Böckli
1 Sieger des 1. Schreibwettbewerbs
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BeitragThema: Re: Die einen haben ein Überlebenscamp   Sa Nov 22, 2008 6:28 pm

Mahooonyyyy! Du hast ja wirklich Einfälle wie ein altes Haus!
Hat mir prima gefallen. Bloß frage ich mich, genau wie bei deinem Hexentext: Wohin mit deinen Kunstwerken?
Sowas gehört eigentlich im Kabarett mündlich vorgetragen, bloß wäre ich da mit den Bordellvorwürfen vorsichtig.
Herzliche Grüße von einer schwer beeindruckten Birgit
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BeitragThema: Re: Die einen haben ein Überlebenscamp   So Nov 23, 2008 3:19 am

Birgit
das ist ein Erfahrungsbericht. Und das mit dem Bordell ist belegt. Ich müßte es nochmal raussuchen, wie das genau zusammenhängt, aber es sind VW- Gelder veruntreut worden zu diesen Zwecken. Und der Herr Harzt hängt da voll mit drin. Er ist auf Bewährung verurteilt worden.
Leute, wie Du und ich, wären schon beim Klau einer Briefmarke gefeuert worden, mit dem Resultat, 3 Monate Sperre zu bekommen für Arbeitslosengeld.
Ich könnt vor Wut platzen.
Übrigens, den 120,75 Eus laufe ich noch heute hinterher. Und ich hab Glück, vor Gericht klagen zu können, weil der Anwalt auf sein Honorar verzichtet. Das hab ich auch nicht bewilligt bekommen, eine Beratungskostenbeihilfe. Über die Gerichtskostenbeihilfe denken sie nun schon ein Jahr lang nach.
Ich hoffe, es klingt alles nicht zu verbittert. Ich hätte noch nen neuen Akt beizufügen. Thema: Warum mir am 4. Geld gestrichen wird, weil ich am 15. nicht nachweisen kann, daß ich im nächsten Monat 50 Eus dazuverdiene.
Ich hab lange überlegt, ob ich das reinstelle. Ich hatte es schon dreimal drin und habs wieder rausgenommen. Aber dann dachte ich, stells rein, wirst ja sehen, was passiert.
Aber ich lebe noch und ich schwörs bei Gott, ich werde weiterleben.

LG Mahony
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